Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Donauwörth (Kreisstadt, Kreis Donau-Ries)
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeine Berichte    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
bulletFotos / Darstellungen    
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
    
In Donauwörth gab es eine jüdische Gemeinde im Mittelalter
   
Erstmals werden Juden in der Stadt in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts genannt. In der Reichssteuerliste von 1242 zahlten die Juden Donauwörths zusammen mit denen von Bopfingen den relativ geringen Betrag von 2 Mark Silber. Um 1250 wird eine "area Judea" in der Stadt genannt. 1292 erpresste Herzog Ludwig der Strenge durch Gefangensetzung von zwei reichen Juden in Donauwörth, Isaak und Fruman, 900 Pfund Haller zur Auslösung seiner verpfändete Kleinode und sein Vizedom noch weitere 60 Pfund. 1298 wird als einer der Führer der Augsburger jüdischen Gemeinde Joseph von Donauwörth genannt. 

1310
werden Aenslin und Genossen von Donauwörth als Gläubiger der bayerischen Herzöge genannt. 1326 zahlten die Donauwörther Juden allein 50 Pfund Haller (= 20 Mark Silber) Jahressteuer an das Reich beziehungsweise an den König. 1345 erhob Herzog Stephan den "güldenen Pfennig" von den Juden der "vier Städte" zu denen auch Donauwörth gehörte und verwandte ihn zur Befestigung der Burg Höchstädt. Auch am 24. Juli 1347 kassierte Herzog Stephan Steuern von den Juden der "vier Städte". In den Pestjahren 1348/49 ereignete sich vermutlich keine Verfolgung der Juden in der Stadt, doch wurden sie 1351 aus der Stadt vertrieben. 
   
1383
lebten wiederum Juden in Donauwörth. In den Jahren darauf erfolgte ein Zuzug jüdischer Personen/Familien u.a. aus Regensburg, Augsburg, Nürnberg und Nördlingen. Haupterwerbsquelle war der Geldhandel und der Handel mit verschiedenen Waren (Textilien, Getreide). Die jüdischen Familien lebten um 1480 in sehr beengten Verhältnissen vor allem im "Judenhaus" (Juden hauß), einem zentral gelegenen großen Haus mit über 16 Wohnungen unmittelbar nördlich anschließend an das Rathaus, nahe der Kornschranne, der Stadtwaage und dem Marktplatz (heute Rathausgasse 1/Ecke Sonnenstraße). Die Lage des "Judenhauses" zeugt von einer älteren jüdischen Siedlungstradition an diesem Ort. Vermutlich hatte die Stadt jedoch im Verlauf des 15. Jahrhunderts versucht, die jüdische Präsenz auf dieses Gebäude zu beschränken. Auf Anweisung des Rates der Stadt mussten die jüdischen Familien 1493 in einen Bereich nahe der nördlichen Stadtmauer umziehen, in die von da an sogenannte "Judengasse" (heute "Ölgasse") und den "Judenberg (heute "Ölberg"). Das "Judenhaus" Rathausgasse 1 wurde 1496 abgebrochen und an seiner Stelle bis 1499 ein städtischer Speicherbau errichtet (heute Alte Kanzlei).
   
Einrichtungen der jüdischen Gemeinde: eine Synagoge wird bereits 1384 genannt (judenschul), die genaue Lage ist unbekannt. In dem um 1480 genannten "Judenhaus" dürfte neben den 16 Wohnungen auch ein Betraum eingerichtet worden sein. Die Toten der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde wurden zunächst in Nördlingen beigesetzt, spätestens nach Ausweisung der Juden in Nördlingen (1506) wurde ein eigener jüdischer Friedhof in Donauwörth angelegt, dessen Lage unbekannt ist und der nach Ausweisung der Juden zerstört und abgeräumt wurde.   
Link zum Stadtplan Donauwörth: Ölgasse und Ölberg      
  
1517/18 mussten die Juden Donauwörths auf Bitten des Rates der Stadt und mit der Genehmigung Kaiser Maximilians mit ihrem beweglichen Hab und Gut die Stadt verlassen. Der Kaiser verkaufte dem Rat die Häuser und Wohnungen der Juden sowie die Synagoge für eine beträchtliche Geldsumme.  
 
Besondere Erinnerung an die mittelalterliche jüdische Geschichte: im Heimatmuseum der Stadt wird eine große Eisentür mit einer Menorah als zentralem Motiv aufbewahrt (105 cm breit, bis zum Scheitelpunkt des Bogens 201 cm hoch). Die Eisentür wurde im Spätsommer 2018 in einer Sonderausstellung in der Alten Synagoge Erfurt zum Synagogenbau des Mittelalters gezeigt. Aus welcher Synagoge sie stammt, ist unklar: möglicherweise aus der Synagoge des 14. Jahrhunderts, von der wir nichts Näheres wissen, oder vom Betsaal im "Judenhaus" oder von der jüngeren, nach 1521 abgetragenen Synagoge. Vielleicht hat die Tür auch mehrfach den Standort gewechselt (vgl. Beitrag von Simon Paulus s.Lit.). 
Presseartikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 14. November 2018: "Geheimnis um die Tür der Mangoldsburg gelüftet".
  
  
Im 19./20. Jahrhundert kam es nicht erneut zur Gründung einer jüdischen Gemeinde in der Stadt, es sind aus nicht bekannten Gründen nur sehr wenige jüdische Personen/Familie in dieser Zeit zugezogen. Bis um 1877 war Justizrat Jacob Rosendahl einige Jahre als Notar in Donauwörth tätig. 1898 wird berichtet (siehe unten), dass "bekanntlich... in Donauwörth keine Juden" wohnen, jedoch die großen Viehmärkte in der Stadt regelmäßig von vielen jüdischen Viehhändlern besucht wurden. 1898 traf man sich im Zusammenhang mit einem Viehmarkt zum Gebet am Purimfest im großen Saal des Hotels Krebs (heute Teil des Fachärztezentrums Maximilium, Kapellstraße 42, Informationen zur Geschichte des Hotels Krebs in der Website des Maximiliums).  
  
Bei den Volkszählungen 1925, 1933 und 1939 wurden keine jüdischen Einwohner in der Stadt registriert, Auch in den Verzeichnissen der jüdischen Gemeindeverwaltung von 1924 und 1932 werden keine Juden in Donauwörth genannt. Allerdings wurde in der NS-Zeit der Rechtsanwalt Julius Prochownik (1873-1945) auf Grund seiner jüdischen Abstammung systematisch zugrunde gerichtet (siehe unten).   
   
Von den in Donauwörth geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist  in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ilse Franziska Seeliger geb. Hirsch (geb. 11. November 1900 in Donauwörth als Tochter von Carl Hirsch und der Blanka geb. Levy, später wohnhaft in Köln, verheiratet mit Walter Seeliger; von Köln aus am 7. Dezember 1941 in das Ghetto Riga deportiert).         
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde              
    
Allgemeine Berichte     
Jacob L. Sänger berichtet über fromme jüdische Viehhändler in Donauwörth (1898)   

Buttenwiesen Israelit 17031898.jpg (138007 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1898: "Buttenwiesen (Bayern). Erhalter einer seltenen Mizwoh zu sein, war mir diesen Purim vergönnt. In Donauwörth werden stets große Viehmärkte abgehalten; ein solcher sollte nun auch Purim stattfinden. Viele jüdische Viehhändler mussten schon am 13. Adar (Taanit Ester, Fasten der Ester, 7. März 1898) dort sein. Bekanntlich wohnen in Donauwörth keine Juden. 
Sonntag kamen nun verschiedene Herren zu mir mit dem Ersuchen, am 13. Adar die Megilloh in Donauwörth zur Verlesung zu bringen. Ich sagte natürlich auch sofort zu. Montagmittag wurde ich per Droschke abgeholt. Als es Abend war, begann ich in dem großartig beleuchteten schönen Saal des Hotel Krebs (statt Krebb) das Maariw-Gebet. Von allen Seiten kamen die Jehudim herbeigeströmt, sodass in kurzer Zeit 48 Personen, aus allen möglichen Gemeinden Bayerns versammelt waren. Die ruhe und die Feierlichkeit während der Megillah-Vorlesung war ein schöner, selten-erhebender Akt. Nach Beendigung wurden mir allseitig gute Wünsche zugerufen und alles drückte mir gerührt die Hand.
Nachdem ich alsdann einen Imbiss genommen hatte (ich hatte mir mein Essen mitgebracht), fuhr ich vergnügt und munter mit einer Purimstimmung, wie sie nur das Bewusstsein, eine schöne Mizwa (Weisung) erfüllt zu haben, hervorrufen kann, nach Hause. Das Wort unserer Weisen hat sich auch hier wieder herrlich bewährt, wenn sie sagen 'nicht verwitwet ist Israel' (Jeremia 51,5).
(Donauwörth war früher eine große jüdische Gemeinde. Vor einigen Jahrhunderten wurde sie im Zusammenhang mit der bekannten bayerischen Vertreibung aufgelöst). Jacob K. Sänger, Sofer, Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot".   

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
  
Zum Tod des königlichen Notars, Justizrat Jacob Rosendahl (1897 in Augsburg, war bis um 1877 Notar in Donauwörth)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Januar 1897: "Augsburg, 8. Januar (1897). Am 27. vorigen Monats ist hier der Justizrat Jac. Rosendahl, königlicher Notar, gestorben. Der Verstorbene entstammte einer alten religiösen Familie in München, er war ein selten braver Sohn, Gatte und Bruder und pflichtgetreuer Beamter, wie es auch Herr Rabbiner Dr. Groß in Augsburg und der Vorstand der Notariatskammer bei der Beerdigung hervorhoben. Der Heimgegangene verdiente es auch nach jeder Richtung hin. Nachdem er die Universität besucht und bei Anwälten und Notaren die Praxis durchgemacht hatte, war er eine Reihe von Jahren accessorisch beim königlichen Stadtgerichte zu München und mehrere Jahre im Gesetzgebungs-Ausschuss der Kammer der Abgeordneten, immer auf seine Anstellung als Richter wartend. Als treuer Jude konnte er sie nicht erreichen, was ihm vom Justizminister ziemlich deutlich gesagt wurde, der ihm als Ersatz die Ernennung zum Notar in Donauwörth angeboten. Er nahm dann nolens volens das Notariat an und wurde vor ca. 20 Jahren nach Augsburg berufen, woselbst er durch seine Tätigkeit, Rechtlichkeit und Leutseligkeit im Verlaufe der Jahre eine sehr große Praxis bekam; in die Notariatskammer gewählt wurde er ferner schon vor ca. fünf Jahren, während seine Tüchtigkeit und sein lauterer Charakter durch den Titel Justizrat bestätigt wurden. Nun ruht er in ewigem Frieden. Ehre seinem Andenken!"      

    
Über den Rechtsanwalt Julius Prochownik (1873-1945) 

(Briefumschläge aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)  
  

Die beiden Briefumschläge erinnern an den Donauwörther Rechtsanwalt Julius Prochownik. Der Brief links wurde um 1920 versandt von S. Luchs in Buttenwiesen, Pferde- und Güterhandlung.
Julius Prochownik wurde 1873 im ostpreußischen Bromberg geboren. Er studierte Jura in Göttingen und ließ sich evangelisch taufen. Zunächst arbeitete er an Rechtsanwaltskanzleien in München und Passau. 1901 heiratete er seine erste Frau Kathinka. 1903 ließ er sich in Donauwörth nieder und eröffnete eine Kanzlei in der Schustergasse, die drei Jahrzehnte lang hoch angesehen war. Ab 1911 wohnte er in der Reichsstraße 36 mit Frau und den Kindern Luise (1902) und Hermine (1910). 1915 starb seine Frau Kathinka. Er heiratete in zweiter Ehe Maria Anna geb. Loibl (1892-1977), mit der er drei Töchter hatte: Magdalena, Susanne und Maria. 1925 bis 1927 gehörte Prochownik dem Donauwörther Stadtrat an und war im Rechnungsprüfungsausschuss. Seit Beginn der NS-Zeit und der Umsetzung der Boykottaufrufe gegen jüdische Geschäfte wurde in Donauwörth eine Hetzkampagne gegen Rechtsanwalt Prochownik betrieben. Schmierereien an der Hauswand, Beschimpfungen und Beleidigungen gegen die Familie Prochownik waren an der Tagesordnung. 1939 wurde er nach schlimmsten Misshandlungen u.a. in einer Heilanstalt in Günzburg aus der Liste der Rechtsanwälte gelöscht. Julius Prochownik verzog nach Berlin, um den Repressionen zu entfliehen. Am 2. Juni 1945 darb er an Erschöpfung in Folge einer Lungenentzündung.    
Ein anderer Briefumschlag der Viehhandlung und Metzgerei Eduard Einstein in Buttenwiesen wurde am 11. Oktober 1905 an Rechtsanwalt Julius Prochownik nach Donauwörth geschickt.
Vgl. Artikel in der "Augsburger Allgemeinen" vom 10. November 2018: "Donauwörth. Vernichtung des Julius Prochownik." Link zum Artikel
Es handelt sich um einen Artikel über einen Vortrag, den Stadtarchivar Dr. Ottmar Seuffert am 10. Oktober 2018 über Julius Prochownik gehalten hat.
Lit.: Reinhard Weber: Das Schicksal der jüdischen Rechtsanwälte in Bayern nach 1933: Hrsg. Reinhard Weber. München 2006. S. 187-189. 

    


 
  
    
Fotos              

Zur jüdischen Geschichte in Donauwörth sind noch Fotos zu ergänzen, 
Fotos finden sich in der Seite zu Donauwörth in der Website des 
Historisch-Jüdischen Vereins Augsburg (Link siehe unten) 
 
     
     

    
     

Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Stadt Donauwörth 
bulletWebsite des Historisch-Jüdischen Vereins Augsburg mit einer Seite zur jüdischen Geschichte in Donauwörth  
bulletVolkszählungsergebnisse 1925 / 1933 / 1939     

Literatur:  

bulletGermania Judaica Bd. II,1 S. 167-169; Bd. III,1 S. 237-240.
bulletArno Friedmann: Bilder aus meiner Heimatgeschichte. Ein Beitrag zur Geschichte und Heimatkunde der Juden in Bayern. Ingolstadt 1929. Online zugänglich in der Website der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main (Freimann-Sammlung). Zu Donauwörth S. 57-58.    
bulletMaria Zelzer: Geschichte der Stadt Donauwörth. Erster Band: von den Anfängen bis 1618.  
bulletKeine Angaben zu Donauwörth in: Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979. 
bulletIsrael Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988.  1992² S. 255.   
bulletKeine Angaben zu Donauwörth in: Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch).
bullet "Spuren der jüdischen Geschichte in Donauwörth" in einer Seite des Jüdisch-Historischen Vereins Augsburg.
bulletSimon Paulus: Zum Schutz des 'Kleinen Heiligtums'. Zwei mittelalterlicher Eisentüren in Donauwörth und Mödling. In: Kalonymos. Beiträge zur deutsch-jüdischen Geschichte aus dem Salomon-Steinheim-Institut an der Universität Duisburg-Essen. 22. Jahrgang 2019 Heft 2. S. 1-5.  Als pdf-Datei eingestellt

  
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Stand: 15. Oktober 2013