Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mallorca - Jüdische Geschichte
Historia judía de Mallorca  -  Jewish History of Majorca  -  Histoire juive des Mallorca  

Anfänge der jüdischen Geschichte. Auf den Balearischen Inseln (Mallorca, Menorca, Ibiza) lebten Juden spätestens seit dem 2. Jahrhundert n.d.Z. Im 5. Jahrhundert kam es zu einer Judenverfolgung in Mahon (Magona), der Hauptstadt von Menorca. Bereits damals ließen sich offenbar mehrere jüdische Einwohner taufen, um weiteren Verfolgungen zu entgehen. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts, als unter der Herrschaft der Almohaden die Juden in Spanien zunehmend verfolgt wurden, nahm die Zahl der Juden in Mallorca, insbesondere in Palma stark zu. In der Stadt wurden eine große und zwei kleinere Synagogen erbaut. Die jüdischen Einwohner verdienten ihren Lebensunterhalt durch Handel und Landwirtschaft. 
      
13.-15. Jahrhundert.  Als König Jakob I. von Aragón (Jaime I. el Conquistador, König von 1213-76) 1229 Mallorca eroberte, befand sich in seinem Gefolge der Jude Don Bachiel von Saragossa. Er war für den König als Übersetzer tätig. Der König gab den Juden von Palma eine Wohnviertel unweit des Palastes und garantierte ihnen ihre Rechte. Den Christen wurde unter Androhung strenger Strafen verboten, Juden zu beleidigen. Diese konnten Häuser, Weinberge und andere Liegenschaften in Mallorca erwerben. König Jakob II. von Aragón (Jaime II., König von 1291-1327) bestätigte den Juden ihre Privilegien. Zu seiner Zeit wurde im jüdischen Viertel "Calle" eine neue Synagoge erbaut und ein jüdischer Friedhof angelegt.   
      
Um 1300 nahmen die Spannungen zwischen den Juden und den Christen zu, vor allem, da viele Christen bei Juden hoch verschuldet waren. Dem christlichen Klerus wurde 1305 verboten, das jüdische Viertel oder die Häuser der Juden zu betreten. Doch bestätigte auch der neue König Sancho I. die Privilegien der Juden.  
      
      
Fotos - Einige Spuren des jüdischen Mittelalters in Palma de Mallorca  

Straßenzüge im mittelalterlichen 
jüdischen Viertel
Palma JuedViertel 01.jpg (48416 Byte) Palma JuedViertel 02.jpg (50650 Byte)  
          
     
Zentrum des mittelalterlichen 
jüdischen Viertels: Carrer de Monti-Sion
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  Palma Montision 01.jpg (53852 Byte) Palma Montision 02.jpg (49930 Byte) Palma Montision 03.jpg (45358 Byte)
  Die Kirche Monti-Sion, auf den Grundmauern der zentralen mittelalterlichen Synagoge der Stadt erbaut 
(Església de Monti-Sion, Iglesia de Montision)
   
Die Santa Clara-Kirche, vermutlich auch auf 
den Grundmauern einer Synagoge erbaut
Palma StClara 05.jpg (66503 Byte) Palma StClara 06.jpg (49687 Byte) Palma StClara 04.jpg (49754 Byte)
  Hinweistafel Nicht ganz geklärt ist die 
Geschichte des an ein Minarett
 erinnernden Kirchturmes
Blick zum Eingangstor des 
Vorhofes der 
Santa-Clara-Kirche
 
       
    Palma StClara 02.jpg (57425 Byte) Palma StClara 01.jpg (47387 Byte) Palma StClara 03.jpg (56718 Byte)
   Auffallend ist die vergitterte 
Empore, die an ähnlich gestaltete
 Frauen-Emporen von Synagogen erinnert.
Im Inneren der 
Santa-Clara-Kirche
Einer der beiden 
siebenarmigen Leuchter
   
        
Palma Rimmonim 04.jpg (31591 Byte) Palma Rimmonim 01.jpg (32133 Byte) Palma Rimmonim 02.jpg (28293 Byte) Palma Rimmonim 03.jpg (31148 Byte)

Oben: die bekannten Rimmonim in der Kathedrale von Palma de Mallorca, die aus einer Synagoge von Sizilien stammen.
Curiosament, els pocs vestigis que el visitant pot trobar els conserva l'església. Els més esplèndids, però, aquest parell de rimmonim del segle XIV -els ornaments d'orfebreria que coronen els rotlles de la Torà-, no van pertànyer a la comunitat jueva de Palma. L'església explica que van ser adquirits per un mercader mallorquí a Sicília després dels avalots antijueus d'aquella illa. Venuts a la Seu de Mallorca, s'hi conserven des d'aleshores, tot i els intents frustrats de la sinagoga d'Israel per tornar-los a la fe jueva. Al museu de la Seu, entre les obres que dibuixen l'esplendor del gòtic mallorquí, també hi ha grans canelobres de 7 braços, aliens al culte cristià, però presents a moltes esglésies de Mallorca i utilitzats, fins no fa gaire, en els serveis religiosos de la catedral. 
Com si es tractés d'un testimoni d'aquesta presència difuminada de la cultura hebrea, una gran estrella de David s'amaga entre la geometria de l'admirable rosetó que presideix la Seu. Sobre l'estrella de David, també coneguda com el Segell de Salomó: http://www.israel-mfa.gov.il/mfa/go.asp?MFAH0f2o0    Quelle dieser Informationen 

Im Juli und August 1391 kam es auf der ganzen Insel zu schweren Pogromen gegen die jüdischen Gemeinden. In Palma brachen die Unruhen am 10. Juli 1391 aus, als christliche Jugendliche mit Kreuzen in das jüdische Wohnviertel eindrangen. Durch den nachfolgenden Mob kam es zu einem ersten Massaker. Anfang August 1391 wurden die jüdische Gemeinden von Inca, Sóller, Sineu und Alcudia ausgelöscht; viele Juden dieser Städte ermordet. Andere zogen die Taufe dem Tod vor. Am 24. August 1391 kam es zu einem Massaker an der jüdischen Bevölkerung in Palma. Die jüdischen Häuser wurden zerstört, 300 bis 400 Juden wurde vor allem im Bereich der Hauptstraße des jüdischen Viertels (Monti-Sion-Straße) ermordet. 800 hatten sich in das königliche Schloss flüchten können. Nicht wenige Juden ließen sich taufen. Als Königin Violante von dem Massaker informiert wurde, verurteilte sie die christlichen Bewohner der Stadt zu einer hohen Geldstrafe. 1392 wurde vom König jedoch eine volle Amnestie ausgesprochen. Die Schulden, die Christen bei Juden hatten, wurden diese erlassen.  Ein Edikt vom 21. Januar 1393 regelte neue Schutzbestimmungen für die jüdischen Einwohner. Ein christlicher Bürger, der einen Juden verletzte, sollte gehängt werden. Seitdem zogen zahlreiche weitere jüdische Familien aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Mallorca (darunter im Jahr 1394 150 Familien aus Portugal), sodass es hier Anfang des 15. Jahrhunderts mehr als 1.000 jüdische Familien gab. Die bitteren Erfahrungen von 1391 wurden alsbald verdrängt. 
    
Zu einer erneuten Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung kam es durch eine Verordnung des Königs Ferdinand von Aragon (1412-16) am 20. März 1413. Nun waren Juden plötzlich gezwungen, sich ausschließlich in ihrem Wohnviertel aufzuhalten. Sie durften nicht mehr mit Christen essen und trinken oder Christen beschäftigen. Ihre beruflichen Möglichkeiten wurden stark eingeschränkt. Sie mussten ein Abzeichen tragen, durften sich nicht mehr Don nennen und konnten viele Artikel (zum Beispiel elegante Kleider) nicht mehr erwerben. Jüdische Ärzte durften keine Christen mehr behandeln. 1415 kam der Dominiker San Vicente (Vinzenz) Ferrer für sechs Monate nach Mallorca. Seine Bußpredigten führten zu zahlreichen Taufen von Juden.  
   
Die Katastrophe von 1435. Zwanzig traten Jahre später (1435) kam die Katastrophe über die jüdische Gemeinde, die von manchen schon lange befürchtet wurde. In der Stadt verbreitete sich das verlogene und boshafte Gerücht, die Juden wollten am Osterfest den Leidensweg Jesu wirklichkeitsgetreu nachvollziehen. Ein arabischer Sklave solle gekreuzigt werden. Die angeblich schuldigen Juden wurden sofort festgenommen. Andere jüdische Gemeindeglieder setzten sich für sie ein. Mehrere wurden gefoltert und gestanden unter schlimmsten Qualen, dass die Juden schuldig seien. Der beschuldigte Astruc Sibili und drei Mittäter sollten lebendig verbrannt werden, aber, falls sie sich taufen ließen, sollten sie frei kommen. Mehr als 200 Juden ließen sich danach taufen; der Rabbiner Salom stiftete einen Kronleuchter mit 350 Lämpchen für die Kathedrale. Bücher und Heiligtümer der Juden wurden daraufhin zerstört. Als die Inquisition 1492 auf Mallorca Angst und Schrecken verbreitete, gab es keine praktizierenden Juden mehr. Ein großer Teil hatte sich taufen lassen oder die Insel verlassen. Die Verfolgung hörte freilich nicht auf, da viele Juden offenbar nur zum Schein Christen geworden waren.  
 
 
Jüdische Persönlichkeiten               
    
Simon ben Zemach Duran (RaSCHBAZ oder TaSCHBeTZ; 1361 Palma de Mallorca - 1444 Algier), Rabbiner und Arzt. Floh vor den Judenverfolgungen nach Algier, wo er zunächst als Arzt lebte und 1394 zum Oberrabbiner von Algier gewählt wurde. Verfasser zahlreicher Kommentare zu Bibel und Talmud, Gutachten und Ermahnungsschreiben. Seine medizinischen Schriften blieben nicht erhalten. 
Jafuda Cresques (ca. 1350-ca. 1427) war einer der bedeutendsten mallorquinischen Kartenmacher.  Er zeichnete zusammen mit seinem Vater Abraham Cresques 1375 den "Atlas Calaà" (Katalanischer Atlas), den König Juan I. von Aragonien dem französischen König Ludwig VI. schenkte. Auf der Karte sind alle bis dahin bekannten Erdteile zu sehen, die erste Weltkarte überhaut. Cresques gehörte zu den Juden, die später zum katholischen Glauben übertreten mussten. Er nannte sich dann Kaime Rives und zog von der Insel fort. Die Karte wird in der Bibliothek von Paris aufbewahrt. 
   
   
Anfang des 16. Jahrhunderts wurden mehrfach Personen, die heimlich am Judentum festhielten, angeklagt und zum Tod durch Verbrennung verurteilt (1506 22 Juden, 1509/10, 62 Juden 1511). Die "geheimen Juden" nannten sich auf Mallorca "Leute vom Calle" oder Chuetas. Die Chuetas von Palma bewohnten unter anderem die "Straße der Goldschmiede" und übten den Beruf des Goldschmieds, Juweliers, des Reeders oder Händlers aus. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts kam es zu 346 Prozessen im Rahmen der Inquisition, durch die 257 Personen zum Tod verurteilt wurden. 1679 wurde eine heimliche Synagoge in einem Haus entdeckt, zahlreiche Chuetas wurden jahrelang gefangen gesetzt und ihr Eigentum konfisziert. Auch in den folgenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu Verfolgungen. 1691 wurde unter andere der bedeutende Rabbiner Raphael Valls zum Tod durch Verbrennung verurteilt. 
       
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als Menorca von 1713 bis 1781 englischer Besitz war, bestand in der Stadt eine kleine jüdische Gemeinde mit Familien aus afrikanischen Städten. Eine Synagoge wurde in Mahon erbaut.  
       
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhielten die Chuetas unter König Carlos III. gleiche Rechte wie die Christen. Bis dahin waren ihnen u.a. öffentliche Ämter, ein Studium oder der Militärdienst nicht zugänglich. Außer der Goldschmiedezunft waren ihnen die Zünfte verschlossen. Nachdem 1773 die Chuetas König Carlos III. gebeten hatten, gleichberechtigt mit ihren Nachbarn leben zu dürfen, erklärte sie der König für gleichberechtigt mit den übrigen Bürgern. Viele einflussreiche Mallorquiner protestierten damals gegen diese Gleichstellung. 
  
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten sich Juden wieder in Spanien und damit auch auf Mallorca niederlassen. Ihre Zahl lag in den 1930er-Jahre zwischen 100 und 200 Personen. 
  
In der NS-Zeit waren die auf Mallorca lebenden bzw. dorthin geflüchteten deutschen Juden (insgesamt etwa 30 Personen) von der Verfolgung dadurch betroffen, dass sie 1940 nach Deutschland ausgewiesen und damit in die Vernichtung geschickt wurden. Vgl. die Geschichte der Familie Heinemann über Bericht / Video über den unten genannten Link.      
       
       
Gegenwart. Manche der Nachkommen des Chuetas, die heute teilweise noch dieselben Familiennamen wie ihre mittelalterlichen Vorfahren besitzen, haben bedeutende Positionen in der Industrie und Landwirtschaft sowie in Wissenschaft und Politik inne. Ein Interesse zur Rückkehr zum Judentum besteht bei den heute geschätzten 25.000 Nachkommen der Chuetas nicht. Vermutlich sind die meisten im katholischen Glauben heimisch geworden; anderen ist der Glaube - ob jüdisch oder katholisch - nicht wichtig. Auch muss die Zugehörigkeit zum Judentum durch ein Rabbinatsgericht bestätigt werden, wobei es sich um eine aufwändige Prüfung handelt.  
      
Seit 1971 besteht wieder eine kleine jüdische Gemeinde in der Stadt, die erste seit der Katastrophe von 1435. Die Gemeindeglieder sind großenteils zugewandert aus der Türkei, Marokko, Osteuropa und Lateinamerika.  
  
Die Gemeinde wurde mitgegründet von Rabbiner Dr. Werner van der Zyl, der in der Folgezeit "ehrenhalber" erster Gemeinderabbiner wurde (geb. 1902 in Schwerte, Westfalen, gest. 10. April 1984 auf Mallorca). 
  
Der Gemeinde gehörten in den 1990er-Jahren etwa 100 Mitglieder / 50 Familien an; die Zahl der Juden auf Mallorca wurde damals auf etwa 300 geschätzt. Im Juni 1987 konnte eine Synagoge in der Calle Monseñor Palmer eingeweiht werden. Der jüdische Friedhof befindet sich etwa 16 km östlich der Stadt in Santa Eugenia. 
  
2014: Der derzeitige Kantor und Leiter der jüdischen Gemeinde auf Mallorca ist David Kaisin. Einen eigenen Rabbiner gibt es in der Gemeinde nicht. 
2018: Vorsteher der jüdischen Gemeinde auf den Balearen ist seit 2008 Abraham Barchilón (Stand 2018). Nach den Angaben des Pressebericht unten vom Januar 2018 leben auf den Balearen in 2018 inzwischen etwa 1000 jüdische Personen, 90 Prozent von ihnen auf Mallorca. Die Mitglieder stammen aus unterschiedlichen Nationen, darunter auch aus Deutschland, Spanien, Argentinien.   
     
Lage des Friedhofes: Unmittelbar hinter dem kommunalen Friedhof von Santa Eugenia. 
      
Adresse der jüdischen Gemeinde:    Comunitat  Israelita de Mallorca,   Carrer de Monsenyor Palmer 3,   07014 Palma   Website  
    
   
Fotos     

Der jüdische Friedhof 
in Santa Eugenia
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  Das Eingangstor mit Inschrift und Symbolik
   
   St Eugenia Friedhof 03.jpg (39966 Byte) St Eugenia Friedhof 02.jpg (58605 Byte) St Eugenia Friedhof 04.jpg (68646 Byte)
Blick über den großenteils 
noch unbelegten Friedhof
Friedhofshalle Blick über die 
belegte Friedhofsfläche
  
       
Betsaal in Palma 
(Monseñor Palmer)
Palma Synagoge n01.jpg (25995 Byte) Palma Synagoge n02.jpg (53949 Byte)    
  In diesem Gebäudekomplex in der Monseñor Palmer befindet sich der Betsaal der Gemeinde; 
der Eingangsbereich ist durch Davidsterne gekennzeichnet.
  

       
       
Beitrag von Dr. Meyer Kayserling: Die Juden auf Mallorca.  In: Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judentums. 1860. S. 68-100. Eingestellt als pdf-Datei.    
Zum Autor Dr. Meyer Kayserling (1829-1905) siehe Wikipedia-Artikel "Mayer Kayserling" . Der Artikel gibt den Forschungsstand von 1860 wieder, ist aber dennoch interessant zu lesen.   
 
 
    

Spanischer Text  

La herencia de los "xuetes" mallorquines     
    
Gastronomía, cultura popular, arqueología y patrimonio histórico reflejan la presencia hebrea en Mallorca; hoy se celebra la quinta edición de la Jornada Europea de la Cultura Judía    PERE MARÍ. PALMA. 

Hoy día, el turismo aparece como una buena razón para recordar y recuperar la numerosa herencia judía mallorquina, un legado largo tiempo olvidado (cuando no perseguida esta comunidad y sus descendientes conversos). Una de las rutas turísticas organizadas por Cort recoge las calles del antiguo call, uno de los principales barrios judíos del Mediterráneo Occidental durante siglos, y el Ayuntamiento ha solicitado la entrada en la Red de Juderías de España. También en Palma se celebra hoy la V Jornada de la Cultura Judía.
A pesar de la que los restos arquitectónicos y arqueológicos de la presencia judía en la isla son escasos, la historia y la cultura mallorquina conservan abundantes señales de su influencia. Una de las rondalles recopiladas por Alcover recogía uno de los cuentos del Talmud, mientras que las raíces de cocarrois y robiols se pueden hallar en los borekes sefarditas, igual como los crespells en forma de corazón y de estrella, como explica el escritor Miquel Ferrà en las páginas de la revista El Mirall.
La comunidad judía mallorquina, cuya presencia en la isla se puede remontar a la época romana, fue fértil en muchos campos. La cartografía fue uno de ellos. Abraham y Jafuda Cresques fueron de los mejores cartógrafos europeos en su época, el siglo XIV y XV. La conocida como Escuela Malloquina representaba la élite de esta disciplina. El conocido como Atlas Català, de 1375, es una de las obras maestras de los Cresques que han llegado a nuestro tiempo. Se conserva en la Biblioteca de París.
Xuetes mallorquines fueron importantes médicos de la época medieval (Aaron Abdalhac, Simon Ben Semakh Duran), poetas y comerciantes. La salida de muchos de ellos de Mallorca tras las expulsiones dañó el tejido económico isleño. Una parte importante de los expulsados se trasladó a Orán, en la costa argelina.
En el Museu de Mallorca se conservan capiteles de la antigua sinagoga de la calle Sant Bartomeu, donde hoy se halla la delegación del Banco España. El museo de la Seu también conserva unos "rimmonim" (ornamentos de orfebrería que coronaban los rollos de la Torah) del siglo XIV procedentes de Sicilia.
El presidente de ARCA-Llegat Jueu, Manuel Quadreny, señala que existe un importante patrimonio cultural judío en la isla "que hay que proteger y dar a conocer". El historiador Francesc Riera Montserrat apunta que la expulsión de los judíos de Mallorca "tuvo un impacto económico. La vida económica mallorquina se resintió". Riera apunta a la presencia xueta en Part Forana, en ciudades como Inca, Felanitx o Porreres. 
         
Historia   
       
La presencia judía en Mallorca y Balears se remonta a tiempos de la dominación romana. Las inscripciones judías en la necrópolis de ses Fontanelles, en Santa María, ahora conservadas en el Museu de Mallorca, son uno de los restos más antiguos conservados. Una lámpara judía hallada en unas excavaciones del siglo V fue robada. En Menorca se hace referencia en el siglo V a una importante comunidad hebrea, forzada a la conversión. El saqueo del call en 1391 y la expulsión o la conversión forzosa de los xuetes (en 1435) supone un hito trágico en la historia de esta comunidad, cuyos descendientes, conversos al cristianismo, seguirían siendo discriminados social y legalmente durante muchos siglos. En el siglo XVII aún existen comunidades judaizantes, que mantienen la religión. Pero la Inquisición (con condenas a muerte a la hoguera) podrá con ellos. En 1720 se dicta la última condena a muerte a un judaizante, que había huido poco antes de la isla. Pero aún en1823 se registra un feroz ataque contra el barrio donde se concentraban en Palma los descendientes de xuetes.
  
  
Hinweis auf eine TV-Sendung zum Schicksal jüdischer Deutscher in der NS-Zeit im Oktober 2010     

"Wie die Nazis Juden verfolgten": Sendung in "report München" vom 29. November 2010 um 21.55 Uhr
Seite mit Link zum Video dieser Sendung  -  Link zum Video  -    Ergänzende pdf-Datei   
    
Artikel in 3sat.de vom 15. Oktober 2010 (Artikel): "Mallorcas dunkle Geschichte. Wie die Nationalsozialisten Juden verfolgten
Mallorca ist ein bei Deutschen besonders beliebtes Urlaubsziel. Doch die Insel hat eine dunkle Vergangenheit, von der die meisten Touristen nichts wissen: Auch hier wurden einst Juden von den Nazis verfolgt. Die jüdischen Großeltern von Ernst-Peter Krüger, Irene und Ernst Heinemann aus Magdeburg sind im Nationalsozialismus nach Mallorca geflüchtet. 'Sie sind 1934 auf die Insel gekommen, weil die offizielle Politik begann, Juden wegzuschieben und als Untermenschen abzutun', sagt Krüger. Doch mit den jüdischen Flüchtlingen kommen auch Nazis nach Mallorca. Sie bespitzeln die jüdischen Familien und kollaborieren mit den spanischen Faschisten.
Gefälschte Dokumente.  Im Juni 1940 teilt das Kommissariat für Überwachung, die politische Polizei Francos, allen jüdischen Einwanderern mit, dass sie die Insel verlassen müssen. 'Man musste zurück in das Land, wo man herkommt, nämlich nach Deutschland', so Ernst-Peter Krüger. 'Und da wartete das Konzentrationslager.' Der Bischof von Menorca half damals etlichen jüdischen Flüchtlingen. 'Damit sie hier wegkamen, hat man ihnen gefälschte Dokumente gegeben', sagt Pater Francesc Ramis Darder vom Bibelmuseum in Palma. 'Für Menschen jüdischer Herkunft oder Religion hat die katholische Kirche Tauf- und Heiratsurkunden ausgestellt. Es war die Anfangszeit des Franco-Regimes und eine Unterschrift von einem Bischof hat damals keiner in Frage gestellt.'
Doch die Heinemanns sind den Nationalsozialisten bereits als Juden bekannt. Sie brauchen einen anderen Fluchtweg. Der Weg nach Palästina ist ihnen verwehrt, denn sie besitzen keinen gültigen Pass. In ihren deutschen Ausweis ist ein dickes 'J' für 'Jude' gestempelt. Sie sehen keinen anderen Weg, als sich das Leben zu nehmen, erklärt es Ernst Heinemann selbst in einem Abschiedsbrief.'    
 
Zur Geschichte der Familie Heinemann siehe auch einen Artikel von Alexander Sepasgosarian im "Mallorca Magazin" vom 24.-30. September 2004.
Eingestellt auch als pdf-Datei.     
 
November 2011: Palmas Judenviertel wird neu entdeckt     
Artikel in der "Mallorca-Zeitung" vom November 2011: "Palmas Judenviertel: Das unsichtbare Reiseziel.  Die Vergangenheit der Juden und Zwangsbekehrten in Palma erweist sich als Magnet für jüdischen Tourismus. Die Stadt will das Thema erwerben und erwägt die Errichtung eines Besucherzentrums..". 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei      
   
 
Weitere Presseberichte:  
März 2016: "Porträt der Woche - An drei Orten zu Hause. Ilanit Spinner lebte auf Mallorca, in Tel Aviv und ist heute TV-Reporterin in München". 
Artikel in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 17. März 2016 (Link zum Artikel).
Aus diesem Artikel - Ilanit Spinner ist 1984 geboren: "Diese Kindheit in Mallorca möchte ich aber auf keinen Fall missen, und es ist tatsächlich gut möglich, dass ich dort jüdischer aufgewachsen bin, als das in München der Fall gewesen wäre.
Unsere Gemeinde auf Mallorca war ziemlich klein. Jeder wusste, dass es auf ihn ankommt. Und das spürte man. Mein Religionslehrer zum Beispiel war richtig toll, ein älterer Herr, der wie ein Opa für mich war und der ungefähr 20 Sprachen beherrschte. Sonntags war Religionsunterricht angesagt, und zwar den ganzen Vormittag lang.
Ich habe auf der Insel meine Batmizwa gemacht, wir sind fast jeden Freitag in die Synagoge gegangen. Ich war richtig stolz auf meine kleine Gemeinde. Mein Vater hatte sich dann irgendwann dafür eingesetzt, dass sie umgebaut, vergrößert und verschönert wurde, und das machte mich noch stolzer. Zu Tu Bischwat sind wir immer zum jüdischen Friedhof spaziert, haben Bäume gepflanzt. Richtig schön war das. Dass wir jüdisch traditionell aufwachsen, war unseren Eltern wichtig, und wir wären da sicher nicht hingezogen ohne die Möglichkeit, ein jüdisches Leben zu führen.
"   
 
Januar 2018: Aktueller Bericht aus der jüdischen Gemeinde auf Mallorca  
Artikel von Claudia Schittelkopp im "Mallorca-Magazin" vom 27. Januar 2018 (Link zum Artikel): "Die jüdische Gemeinde Mallorcas ist kosmopolitisch
Die Synagoge liegt zwischen schicken Cafés, Ausgehlokalen und einem Massagesalon nahe Palmas Paseo Marítimo. Der Zugang ist mit einem Gitter geschützt und per Video überwacht. 1000 Juden leben aktuell auf den Balearen, 90 Prozent von ihnen auf Mallorca. 'Unsere Gemeinschaft ist wie die ganze Gesellschaft der Inseln kosmopolitisch', sagt Abraham Barchilón, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde auf den Balearen. Die Mitglieder stammen aus vielen Nationen, unter anderem aus Deutschland, aus Argentinien und natürlich aus Spanien. 'Viele haben zwei Konsulat, die ihres Heimatlandes und uns.' Barchilón, der eigentlich aus Tanger stammt, steht seit zehn Jahren der Gemeinde vor. Der 67-jährige Anwalt denkt nicht an den Ruhestand: 'Es ist gut, einen regelmäßigen Tagesablauf zu haben.' Dazu gehört neben der Arbeit für ihn eben auch das rege Engagement in der jüdischen Gemeinde.
Am Montag, 29. Januar, treffen sich Vertreter der Gemeinde mit balearischen Abgeordneten im Parlament anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags (27. Januar). 'Es ist eine Frage der Menschlichkeit, an den Holocaust zu erinnern', sagt der Vorsitzende. Deshalb werden an diesem Tag anstatt sechs Kerzen für sechs Millionen ermordete Juden sieben Gedenkkerzen angezündet: 'Es fielen ja auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Kritiker und andere dem Naziregime zum Opfer.'
Auch heute noch an den Holocaust zu erinnern sei unabdingbar: 'Damit kein Diktator der Welt mehr so einen Genozid begehen kann - egal an welchem Volk.' Die Gedenkveranstaltung beginnt am Montag um 12.30 Uhr und ist öffentlich zugänglich. 'Der Gedenktag ist und bleibt von großer Wichtigkeit, denn viele Überlebende des Holocaust gibt es nicht mehr und das Gedächtnis der Gesellschaft ist sehr schlecht.' Auch gerade vor einem wieder wachsenden Antisemitismus. 'Das ist leider ein globales Phänomen', sagt Abraham Barchilón. Oftmals sei der Antisemitismus unterschwellig oder werde als Antiisraelismus getarnt. 'Dagegen hilft nur, bereits den Kindern zu vermitteln, dass es verschiedene Kulturen und Religionen gibt. Denn als Erwachsener lernt man keine Toleranz mehr.' Genau aus diesem Grund können auch regelmäßig Schulklassen die Synagoge besuchen. 'Auch heute gibt es noch Kinder, die sagen, sie wollen keinen Juden mit in der Klasse haben, obwohl sie gar keinen kennen', sagt Barchilón. Genau solche Vorurteile sollen durch den Kontakt mit der jüdischen Gemeinde abgebaut werden.
Einer breiteren Öffentlichkeit ist die Synagoge, die im vergangenen Jahr 30-jähriges Bestehen feierte, immer am ersten Septembersonntag zugänglich. Dann wird der Europäische Tag der jüdischen Kultur begangen. Eine Woche lang gibt es verschiedene Aktivitäten, um die Gemeinde kennenzulernen. Dazu gehören auch Führungen durch das alte jüdische Viertel. Vermittelt wird dabei zudem die besondere Geschichte der mallorquinischen Juden, der Xuetas. 'Die Xuetas erlitten eine einzigartige Verfolgung und Stigmatisierung, die sich erst mit dem Beginn der Demokratie in Spanien änderte', erklärt Barchilón.
'Wir sind eine offene Gemeinde', fügt der Vorsitzende an. Sie wurde vor 46 Jahren gegründet. Staatliche Unterstützung gibt es für sie allerdings nicht, die Gemeinde muss sich selbst tragen. Vor Hochfesten wie Pessach (Ostern) beispielsweise organisiert die Gemeinde koschere Speisen. Denn jüdische Läden oder Restaurants gibt es auf den Inseln nicht. Viele Mitglieder sehen sich als konservative Juden an, doch alle Glaubensrichtungen seien willkommen, betont Barchilón.

Stichwort: Xuetas. Xuetas wurden die Nachfahren der auf Mallorca zum Christentum übergetretenen Juden genannt. Das Wort stammt von den katalanischen Begriffen für Schweinespeck und Jude ab. Zwangskonversionen fanden im 14. und 15. Jahrhundert statt, viele lebten ihren Glauben im Geheimen weiter. Mit der Inquisition ab 1488 setzte sich die Unterdrückung mal mehr mal weniger fort. 130 Jahre später flammte die Verfolgung wieder auf. Die Xuetas lebten isoliert und stigmatisiert. Die Vorurteile begannen mit dem Ende der Franco-Zeit und der Öffnung Mallorcas zum Tourismus zu verschwinden. Heute tragen Mallorquiner noch Xueta-Nachnamen wie Aguiló, Cortès und Fortesa."   
 
2019: Führungen zur jüdischen Geschichte auf Mallorca können gebucht werden über https://www.jewishmajorca.com/     
Einführende Text auf der Website: Culture. Community. Connections.
Jewish Majorca was created to help revive the once prominent Jewish community of the Balearic Islands. In 2014 we moved to Majorca (also know in spanish as Mallorca ) and met the local Conversos who shared with us stories and secrets of their Jewish heritage. We strive to bring together members of the current Jewish community from their many different backgrounds. We also program seminars and conferences open to Jews and non-Jews alike to learn together about the richness and diversity of Jewish history and culture. By offering a walk and talk with members of the local active Jewish community today – visitors get to see the past, present, and hopefully the future from another point of view.
Tours are offered in English, Spanish, Catalan and Hebrew. The different options for routes are available for both residents of Majorca and visitors to the island. To receive information and availability to suit your needs should you be planning a visit to the islands, please be specific about travel dates, arrival/departure times, how many persons, children’s ages, as well as if anybody has any mobility issues, and where you are staying. We look forward to sharing a unique experience with you here in Jewish Majorca.. 
 
März 2019: Bericht über eine Führung in der "Mallorcazeitung" 
Artikel von Sophie Mono in der "Mallorcazeitung" vom 3. März 2019: "Juden auf Mallorca: die unsichtbare Geschichte
Die Geschichte des Judentums in Palma de Mallorca ist vielen älteren Mallorquinern noch präsent, im Stadtbild aber kaum zu sehen. Dabei gibt es bis heute rund 20.000 Nachfahren der Juden des Mittelalters, die oft an ihren Nachnamen identifiziert werden können. Die Gemeinde will jetzt mehr in Erscheinung treten.
Dani Rotstein hat vieles, das einen guten Stadtführer ausmacht. Er ist unterhaltsam, er hat Ahnung, und er brennt für das, was er erzählt. Dabei ist es erst rund vier Jahre her, dass der heute 39-Jährige aus New York zum ersten Mal durch die Altstadt von Palma de Mallorca schlenderte. Eine Stadt, die selbst den aufmerksamen Spaziergänger durch nichts an ihre jüdische Vergangenheit erinnern lässt. Es ist eben jene Vergangenheit, wegen der sich der Amerikaner so sehr mit den alten Gassen verbunden fühlt, in denen es vor mehr als 600 Jahren von jüdischen Händlern und Kaufleuten wimmelte: Auch Rotstein ist Jude. Im Frühjahr vergangenen Jahres hat er auf Mallorca einen Ableger des globalen Netzwerks Limud gegründet, seit August ist er Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde. In beiden Institutionen will er vor allem eines erreichen: die jüdische Kultur und Geschichte auch nicht-jüdischen Menschen nahebringen und Verbindungen zwischen den Juden der Insel schaffen. Thematische Stadtführungen auf Englisch, Spanisch, Katalanisch und Hebräisch sind da nur ein logischer Schritt, den Rotstein seit Dezember geht. 'Ihr müsst eure Vorstellungskraft nutzen. Nur so kann das alte jüdische Viertel vor euren Augen wieder auferstehen', sagt Rotstein und führt die kleine Gruppe vom Rathausplatz ins Carrer de l'Almudaina. Tatsächlich gibt es keine Bauwerke, die von der damaligen Zeit zeugen. Auch von der alten Synagoge, die im 16. Jahrhundert abgerissen wurde, sind nur noch ein paar Quader zu sehen. Darauf errichtet wurde 1571 die Monti-Sion-Kirche. 'Und Hinweisschilder oder Infotafeln gibt es auch kaum', so Rotstein.
Einmalig auf der Welt. Es ist ein kleiner Kreis, der ihm diesmal auf seiner Tour folgt. Eine Buchautorin aus Kanada ist dabei, eine Journalistin aus Schweden, zwei skandinavische Mallorca-Residentinnen. Keine von ihnen ist Jüdin, doch alle haben – ob beruflich oder privat bedingt – ein Interesse an der jüdischen Geschichte Mallorcas. 'Die Situation auf der Insel ist eine besondere, die es so nicht noch einmal auf der Welt gibt', sagt Rotstein und führt die Gruppe in das kleine Besucherzentrum 'Centre Maimó ben Farraig', in dem die wichtigsten Eckdaten an Schautafeln in zwei kleinen Räumen befestigt sind. Die frühesten Zeugnisse jüdischer Kultur auf Mallorca gehen auf das 5. Jahrhundert nach Christus zurück. Wie überliefert ist, halfen die Juden dem katholischen König Jaume I. bei der Rückeroberung der Insel von den Mauren – und bekamen deshalb nicht nur ein eigenes Viertel, sondern hatten auch geschäftlich weitgehend freie Hand.
Dass zu jener Zeit eine goldene Epoche für die Juden auf Mallorca anbrach, betont auch Ari Molina gern. Der studierte Historiker ist neuer Vorsitzender der jüdischen Gemeinde auf Mallorca. Neben ihm und Rotstein gehören dem Vorstand auch Sternekoch Toni Pinya und Journalist Miguel Segura an. Sie alle lösten im August vergangenen Jahres den Vorsitzenden Abraham Barchilón ab, der der Öffentlichkeit gegenüber zurückhaltender agierte.
'Bedeutende jüdische Ärzte, Geistliche und Kartografen prägten im Mittelalter die Inselgesellschaft. Sie hatten Beziehungen im ganzen Mittelmeerraum und brachten wichtige Erkenntnisse', sagt Molina. Wie Rotstein liegt ihm viel daran, eine möglichst breite Öffentlichkeit für die Religion zu interessieren, die auf der Insel mit den Anfängen der Inquisition in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert offiziell komplett ausgelöscht wurde.
'Die jüdische Geschichte auf Mallorca ist sehr traurig', so auch Rotstein, der seinen deutschen Namen von den Großeltern geerbt hat, die einst aus Nazi-Deutschland flüchteten. Schon 1391 wurden rund 300 von 3.000 Juden in Palma bei einem Pogrom getötet, ein weiterer Anschlag ist im Jahr 1435 dokumentiert. 1691 verbrannte die Inquisition auf der Plaça Gomila im heutigen Terreno-Viertel 37 Juden öffentlich auf Scheiterhaufen – drei von ihnen sogar bei lebendigem Leib.
Spätestens danach konvertierten alle jüdischen Inselbewohner zwangsweise zum Christentum. 'Das hat es in dieser Gesamtheit sonst nirgendwo gegeben. An anderen Orten der Erde flohen viele Juden, um sich nicht christlich taufen lassen zu müssen, aber von der Insel zu verschwinden, war unmöglich.' Und so entstand die Gemeinschaft der xuetes – den Nachfahren der zum Katholizismus gezwungenen Juden, die noch Jahrhunderte später der mallorquinischen Gesellschaft beweisen mussten, dass sie nicht heimlich weiter jüdische Bräuche pflegten – und dennoch von ihr diskriminiert wurden. 'Es gab eine soziale ­Abgrenzung bis Mitte des 20. Jahrhunderts', so Ari Molina. Zu erkennen sind die Nachfahren der Juden bis heute an ihren Nachnamen. Typische xueta-Nachnamen sind Bonnín, Aguiló, Cortès, Fuster und Forteza. 'Die Jugend heute weiß das kaum noch, aber älteren Mallorquinern ist es geläufig', sagt Molina. Von denen hören xuetes bis heute hin und wieder Kommentare, wenn sie ihren Nachnamen nennen.
Jüdische Ensaïmada. Die jahrhundertelange Diskriminierung hat nicht nur die Integration der jüdischen Nachkommen erschwert, sondern auch eine Gemeinschaft gebildet. Weil man in der Gesellschaft ohnehin nicht akzeptiert war, blieb man als xueta unter sich. 'Viele wollten aber auch mit allen Mitteln zeigen, dass sie ihren jüdischen Glauben nicht nur auf dem Papier, sondern auch in ihrem alltäglichen Handeln abgelegt haben', so Rotstein, der seine kleine Reisegruppe mittlerweile vor eine Bäckerei nahe dem Carrer del Call – der 'Straße des Judenviertels' – gelotst hat. 'Die Ensaïmada ist typisch mallorquinisch und wird natürlich mit Schweinefett hergestellt', sagt er und deutet auf das Gebäck im Schaufenster. Angeblich seien es xuetes gewesen, die das Vorzeige-Gebäck erfanden. 'Um zu zeigen, dass sie nicht mehr koscher lebten und sogar Schweinefleisch aßen.' Unter ähnlichen Umständen sei der mallorquinische Ausspruch fer dissabte für das samstägliche Reinemachen zustande gekommen. 'Angeblich wollten einige xuetes ihren Nachbarn extra zeigen, dass sie auch am Sabbat arbeiteten, und machten deshalb großes Aufheben darum, samstags bei geöffneten Türen ihr Haus zu putzen.'
Heute, da sind sich Molina und Rotstein einig, sei in der breiten Bevölkerung kaum Antisemitismus zu spüren. Leicht hätten es die rund 1.500 Juden, die mittlerweile wieder auf Mallorca leben, dennoch nicht. 'Es gibt keine einzige koschere Metzgerei auf der Insel, und viele Feiern oder Kulturveranstaltungen finden samstags statt, was ungünstig für uns ist', sagt Molina. Von den rund 20.000 xuetes, auf die die Nachnamen schließen lassen, sind in den ­vergangenen Jahren lediglich zwei Dutzend zum Judentum konvertiert, so Rotstein. 'Religion fordert eben auch etwas von ihren Anhängern, gerade im Judentum. Und viele haben kein Interesse daran', sagt Molina. In der Synagoge nahe dem Paseo Marítimo – der einzigen, die es auf der Insel gibt – stehe jedem die Tür offen. Auch wenn das Gebäude nicht in dem besten Zustand sei, und die Gemeinde kein Geld habe, einen Rabbiner einzustellen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. 'Vielleicht können wir ja irgendwann wieder eine Synagoge im alten jüdischen Viertel errichten', hofft Dani Rotstein.
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Links und Literatur       

Links:    

bulletJewish Majorca  (mit weiteren Links): www.jewishmajorca.com   
bulletJewish Spain (mit weiteren Links)  
bulletSpanische Seite zu den xuetes de Palma
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Literatur:  

bulletMeyer Kayserling: Die Juden auf Mallorca.  In: Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judentums. 1860. S. 68-100. Eingestellt als pdf-Datei.    
Zum Autor Dr. Meyer Kayserling (1829-1905) siehe Wikipedia-Artikel "Mayer Kayserling" . Der Artikel gibt den Forschungsstand von 1860 wieder, ist aber dennoch interessant zu lesen. 
bulletBaruch Braunstein:  The Chuetas of Majorca. Conversos and the Inquisition of Majorca. 1936. Reprint with a prolegomenon 1971 (Reihe: Studia sephardica).
bulletA. L. Isaacs: The Jews of Majorca. 1938 (with documentary appendix).  
bulletM. Fortoza: Els descendents dels jueus conversos de Mallorca. 1966.  
bulletArt. Majorca (sp. Mallorca): in Encyclopedia Judaica. Jerusalem ca. 1975. Vol. 11 Sp. 795-803 (mit Literaturangaben).  
bulletHispania Judaica Series (hg. Hebrew University of Jerusalem) Vol. V: A. S. Selke, The Conversos of Majorca: Life and Death in a Crypto-Jewish Community in XVII Century Spain, 1986. Link.   
bulletHeide Wetzel-Zollmann/Wolfgang Wetzel: Mallorca. Ein Streifzug durch 6.000 Jahre Geschichte und Kultur. Inca/Mallorca 2004. 
bulletMiquel Ferrà i Martorell: El Call de Palma. Ciutat Passa a Passa. Palma 2004.  
bulletPresseartikel von Silke Heine in kath.net vom 10. August 2014: "Kinder Israels auf der Urlaubsinsel. Mallorca hat eine kleine jüdische Gemeinde mit langer Tradition..." Link zum Artikel 
bulletMallorca Lit 2016010.jpg (98159 Byte)José Miguel López Romero: Unerwünscht! Die Vertreibung der deutschen Exiljuden aus Ibiza und Mallorca 1939-1945. Verlag Peter Grohmann Stuttgart 2016 ISBN 978-3-944137-40-7.  
Informationen auf Verlagsseite: https://www.die-anstifter.de/peter-grohmann-verlag/   

Film:  

bullet"These are the Names". Informationen nach der Seite http://www.csabagal.com/de/filmmusik/   
Buch, Produktion und Regie: Paula Zimerman Targownik und Daniel Targownik; Kamera: Daniel Targownik, Schnitt: Paula Zimerman
Originalmusik von Csaba Gál, gespielt von Csaba Gál und Ines Koethnig; Onlineschnitt und Tonmischung Rolf Wilhelm
Sprecher Armand Presser; Dokumentarfilm / Spanien, Schweden, Israel / 66 Minuten / 16:9 / PAL; Deutsch / Englisch
Seit 1391 gab es keine Juden auf Mallorca. Viele waren Opfer eines Pogroms geworden. Die Überlebenden konvertierten aus Angst um ihr Leben zum Katholizismus. 600 Jahre später kommt Rabbiner Friberg nach Palma de Mallorca um die Nachfahren jener konvertierten Juden zu finden.
Denn obwohl so viel Zeit vergangen ist, gibt es unter den Katholiken Mallorcas noch immer eine Gruppe, die aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln gesellschaftlich gemieden wird. In Palma de Mallorca nennt man sie 'Chueta'. Rabbiner Friberg entdeckt, dass die Wunden aus der dunklen Vergangenheit Mallorcas längst nicht verheilt sind. 
Siehe auch:  http://www.hagalil.com/archiv/2007/12/chuetas.htm 

                
                 

                 

                 

 

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Stand: 15. Oktober 2013